Jürgen Veyhl

Anmoderation Gedenkfeier „Wider das Vergessen“
9.November 2014, 19.15h Heilbronn am Synagogengedenkstein, Allee
 
 

Sehr geehrte Damen und Herren,
zur Gedenkfeier „Wider das Vergessen“ anlässlich der Reichspogromnacht am 9.November 1938 begrüße ich Sie herzlich. Veranstalter dieser Feier sind:
Die Friedensbewegung Heilbronn, das Evangelische Bezirksjugendwerk Heilbronn, der Deutsche Gewerkschaftsbund in Stadt und Landkreis Heilbronn, der Bund der Antifaschisten Kreis Heilbronn, der Freundeskreis Synagoge Heilbronn sowie die Stadt Heilbronn. Als Redner an dieser Gedenkfeier begrüße ich Herrn Prälat Stumpf und Herrn Oberbürgermeister Mergel. Der Gospelchor „ON THE WAY“ wird die musikalischen Akzente setzen.
Hier, mitten in Heilbronn, an der Allee, gibt es selten Stillstand. Menschen eilen zu den naheliegenden Bushaltestellen, wollen noch schnell über die Straße kommen. Autos rauschen vorbei. Hin und wieder ein Stau. Eigentlich ganz normales Großstadtleben. Alltagsleben.
Unterbrechungen, Stillstand, Innehalten passen nicht so recht zum Alltagspuls.
Doch hier, an diesem Ort, an dieser Stelle werden wir aufgehalten. Mitten auf dem Weg liegt die Skulptur einer Kuppel. Das Skelett einer Behausung. Eigentlich wollte diese Kuppel nach oben zeigen, ein Fingerzeig sein, dass wir Menschen erkennen, wem wir uns verdanken, wo der Mensch zuhause sein kann. Aber sie, diese Kuppel, wurde ihrer Fundamente beraubt. Denn die kunstvoll gestalteten Wände, Fenster und Türme der ehemaligen Heilbronner Synagoge sind in den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 zerstört worden. Es war keine Naturkatastrophe, kein unabwendbares Schicksal. Menschen dieser Stadt, egal ob Akteure oder Claquere, hatten damit begonnen, aus dem Weg zu räumen, was nicht in die herrschende Ideologie passte.
Zum Gedenken gehört das „Innehalten“. So wie wir es jetzt tun. Doch dürfen wir darin nicht erstarren. Denn wir sind herausgefordert, uns gemeinsam auf den Weg zu machen, so wie sich die Mitglieder des Gospelchores „ON THE WAY“ (im wahrsten Sinne des Wortes) heute um 18h, gemeinsam mit einigen hier Anwesenden, auf einen Pilgerweg begeben haben: Von der Böckinger Stadtkirche , vorbei an einigen „Stolpersteinen“ zum Gedenken an die Opfer der Naziherrschaft, bis hier her, an den Ort, an dem die Menschen so selten stille stehen. Gut, dass Sie alle hier sind. Wir hören jetzt den Gospelchor. Und anschließend die Ansprache von Herrn Prälat Stumpf.
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Im Namen der Veranstalter bedanke ich mich, dass Sie heute Abend gegen das Vergessen ein Zeichen gesetzt haben. Nehmen Sie davon etwas mit in Ihren Lebensalltag. Einen speziellen Dank möchte ich Herrn Werner Winter aussprechen, der sich in besonderer Weise und unermüdlich dafür einsetzt, dass diese Gedenkfeier als stille Mahnung ihre Wirkung entfalten kann. Das Schlusswort spricht nun Herr Oberbürgermeister Harry Mergel. Danach hören wir noch einmal den Gospelchor „ON THE WAY“.

(es gilt das gesprochene Wort)