Silke Ortwein
DGB Kreisvorsitzende Stadt- und Landkreis Heilbronn

Antikriegstag
1. September 2014

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,

Ich darf Sie / ich darf Euch alle hier in Heilbronn zur Gedenkstunde anlässlich des
heutigen Antikriegstages im Namen der Friedensbewegung Heilbronn und des
DGB Stadt- Kreisverbandes Heilbronn begrüßen.
Der heutige Tag ist für alle die sich für den Frieden engagieren ein wichtiger und
zugleich ein trauriger Tag!
Wichtig um uns gegenseitig immer wieder der Notwendigkeit des Friedens zu
versichern – traurig, weil wir feststellen müssen, dass die kriegerischen
Auseinandersetzungen nicht weniger, sondern im Gegenteil immer mehr, immer
heftiger werden und die Schauplätze immer näher rücken.
Zudem habe ich den Eindruck, dass die politischen Gemengelagen immer
komplexer und immer weniger durchschaubar sind.
Es mag jetzt vielleicht seltsam anmuten: Aber ich fühle mich dabei immer an
meine Zeit als Erzieherin erinnert: Da stehen zwei, drei oder mehr Kinder weinend
vor Dir und jedes Kind bezichtigt das andere der Schuld – oder des „Angefangen-
Habens“… Weiter bringen derartige Diskussionen zumeist aber kaum!
Die Antwort ist so einfach wie klar:
Raketen machen keinen Frieden! und Gewalt kann nicht die Lösung sein: – nicht
in Syrien, nicht in der Ukraine und nicht im Gaza Streifen!
Und Jeder und Jede, die dafür Verantwortung trägt, dass Waffen gegen Menschen
gerichtet werden, ist mit schuldig!
Ja – ALLE!
Auch der der produziert oder handelt und daran nicht schlecht verdient: Denn er
nimmt mindestens billigend in Kauf, dass mit der von ihm produzierten oder
vertriebenen Waffe auch geschossen wird, dass sie gegen Menschen gerichtet
wird… Soldaten – Zivilisten….- Männer, Frauen , Kinder…

Schuldig ist der, der zusieht – oder gar wegschaut: genauso, wie derjenige der
angeordnet oder befiehlt….
Im Grunde bin ich als Teil dieser Gesellschaft auch immer zumindest ein wenig mit
schuld – zumindest profitiere ich auch immer mit: Denn das Waffengeschäft boomt
– da gibt es Arbeitsplätze, Steuern… - kurzum auch Wohlstand, den wir nur dem
Umstand zu verdanken haben, dass die produzierten Waffen einen so lebhaften
Absatz finden!
Das Ziel jeglicher Friedenspolitik, die Aussicht auf Erfolg haben möchte, muss es
aus meiner Sicht sein, die sozialen, ökonomischen und politischen Ursachen von
Kriegen zu beseitigen.
Die Hauptursachen von Kriegen und Gewalt zu bekämpfen heißt, sich für eine
langfristig angelegte globale Friedenspolitik zu engagieren.
Gewalt kann nicht mit Gewalt eingedämmt werden! – Das galt schon immer –
wird uns aber angesichts der gegenwärtigen Konflikte wieder überdeutlich und
schmerzhaft bewusst! – Längst ist unsere Armee keine Verteidigungsarmee mehr
– längst kämpfen unsere Soldaten an verschiedenen Kriegsfronten…- Sterben
inclusive –
…und das tödliche und schmutzige Geschäft des Krieges floriert!
Und während Menschen an diesen von Menschen gemachten Konflikten
verdienen, während Soldaten ihr Leben riskieren, wachsen Armut und Not! Diese
Welt – mit all ihrem Fortschritt - reich wie nie - ist gleichzeitig eine Welt von
Hunger, Not und Elend!... und die Menschen, die auf der Flucht sind – werden
bald in großer Zahl auch hier bei uns Schutz und Hilfe suchen. Da sind wir gefragt,
diesen Menschen, nach ihrer Odyssee eine neue Heimat und neue Perspektive zu
bieten. Da sind wir gefordert – Frieden zu leben!
Denn bereits der Artikel 1 unseres Grundgesetztes sagt uns: Die Würde des
Menschen ist unantastbar! Daher dürfen wir Ausgrenzungen und Diffamierungen
nicht zulassen: Rechtsextremismus und Rassismus in unserer Gesellschaft darf
kein Raum gegeben werden. Menschen unterscheiden sich – und das ist gut so!

Wie schrecklich wäre diese Welt, wären wir alle gleich! Diese Vielfalt in Herkunft,
Kultur, Aussehen, Sprache, sexueller Orientierung und Fähigkeiten wert zu
schätzen – selbst neue Erfahrungen und Begegnungen zuzulassen kann das
eigene Leben bereichern! Lassen wir uns dieser Chancen für jeden einzelnen, aber
auch für die Gesellschaft, nicht durch die ewig Gestrigen berauben!
Zeigen wir Widerstand gegen Terror und Unmenschlichkeit! – denn Frieden fängt
auch damit an, gegen Unrecht und Hass, gegen Menschenverachtung und auch
gegen die Hetze der „rechten Provokateure“ klar Stellung zu beziehen…
Wir alle stehen in der Verantwortung, den Schwur von Buchenwald Realität
werden zu lassen: Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!
Vielen Dank!

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Bernhard Löffler, Regionsgeschäftsführer der DGB Region Nordwürttemberg, wird
im Anschluss an das Musikstück die Gedenkrede halten!
Doch zunächst hören wir nochmals die MARBACHER (Sie haben es längst bemerkt
- heute leider Ferienbedingt in einer stark reduzierten Besetzung)

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Wir gehen jetzt in die Ehrenhalle, wo wir nach einem Musikstück einen Kranz im
Gedenken an die Opfer von Verfolgung, Krieg und Gewalt niederlegen werden.
Wir wollen nun gemeinsam schweigend der Opfer von Krieg und Gewalt und des
Naziterrors zu gedenken.
Ich danke Ihnen!

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Nun singen wir gemeinsam das Moorsoldatenlied und danach gehen wir
gedenkend in der Stille auseinander.

(es gilt das gesprochene Wort)